Da ein Fernsehteam aus Gagra von unserer Aktion berichtet hatte, kamen viele Neugierige zum Bahnhof, um uns zuzuschauen. Die meisten hatten ihren Hund oder ihre Katze dabei und warteten geduldig, bis ihre Tiere an der Reihe waren.
Erstmalig bekamen wir eine beeindruckende Hunderasse zu Gesicht: gewaltige Alabays. Bei einem dieser riesigen Tiere, einer betagten Hündin, diagnostizierte Jule Krebs. Ihre Besitzer baten dennoch um die OP. Leider erwies sich ihr Zustand als hoffnungslos. Sie hätte nur wenige Wochen oder Tage vor sich. Gemeinsam entschloss man sich, ihr einen qualvollen Tod zu ersparen. Auch wenn es rational die beste Entscheidung für die Hündin war – viele Tränen flossen.
Erfolgreich wurden eine Alabay-Mama und ihr wenige Monate alter Sohn operiert. Die Tierärztin aus Gagra brachte eigenes Alabay-Baby-Mädchen zur Kastration. Die Kleine eroberte alle Herzen mit ihrem braunen Fleck auf der Stirn und ihrem lieben Wesen. Sie wurde von Jule operiert und tapste schon bald nach der OP durch die Halle.
Auch Überraschungen traten auf. So war eine Hündin ohne Kennzeichnung bereits operiert und eine weitere trotz Marke trächtig.
Auffallend waren die vielen Deutsch Drahthaar bzw. Kurzhaar-Hunde. Ein Besitzer erklärte uns, dass auch in Abchasien die deutschen Bezeichnungen verwendet werden.
An diesem Tag besuchte uns ein Fernsehteam Suchumi. Für den Verein Tierschutz-Entwicklungshilfe und die Brigitte-Bardot-Stiftung gab Wilhelm ein von Marina übersetztes Interview, in dem er das Anliegen der Aktion erläuterte. Ein weiteres Statement kam von Saida. Auch Volontär Danilo war sichtlich erfreut, ein paar Worte in das Mikrofon sprechen zu dürfen.
Am Abend fand für alle Teilnehmer der Aktion ein Dankeschön-Zusammensein statt. Aus Kostengründen verzichteten wir auf ein Restaurant, sondern räumten die Halle im Bahnhof, in der am Tage die OPs stattfanden, auf. Schnell waren Bänke um die zu einer langen Tafel zusammengeschobenen Tische aufgestellt. Saida hatte Pizza bestellt, einige brachten Süßigkeiten und selbstgemachten Wein mit. Alle erhielten ein Zertifikat vom Verein Tierschutz Entwicklungshilfe und ein weiteres von Saida.
Am Abend wurden wir von einem Geist heimgesucht. Während wir in eine rege Unterhaltung vertieft waren, polterte es an der Tür. Zunächst konnten wir den schwarzen Schatten an der Glasscheibe nicht einordnen, bis wir erkannten, dass der riesige schwarze Alabay, den wir bereits auf dem Bahnhofsgelände wahrgenommen hatten, an der Tür kratzte und quasi um Einlass bat. Da sich in der Halle frisch operierte Hunde befanden, kam das natürlich nicht infrage. Doch Tierärzte kennen keine Scheu, auch nicht vor gewaltigen Hunden. Bald standen alle vor der Tür und der Große ließ sich ausgiebig kraulen und beschmusen - mit dem nötigen Respekt diesem souveränen Straßenhund gegenüber. Gegen einige Leckereien hatte er nichts einzuwenden und blieb vor der Tür, bis wir den Bahnhof verließen. Die Chirurginnen nahmen sich vor, ihn am nächsten Tag zu operieren, doch leider ließ er sich nicht mehr blicken.